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Das Schülerpraktikum

Das Schülerpraktikum

Das Schülerpraktikum ist ein Bestandteil der Berufsorientierung in der schulischen Ausbildung. Das Praktikum bietet den Schülerinnen und Schülern die Chance erstmals einen Einblick ins Berufsleben zu erhalten. Ein Schülerpraktikum ist in Bayern nach Art. 30 BayEUG eine Schulveranstaltung und wird oft ab der 8. Jahrgangsstufe durchgeführt.

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Die Ziele des Schülerpraktikums

Die Ziele ergeben sich aus dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule. Die Schülerinnen und Schüler sollen bei ihren ersten Erfahrungen mit der Wirtschafts- und Arbeitswelt begleitet und bei ihrer Berufswahl unterstützt werden. Im Unterricht vermittelte Inhalte sollen durch das Schülerpraktikum gefestigt und ergänzt werden. Durch Mitarbeit und Beobachtung in der Praktikumsstelle sollen die Schülerinnen und Schüler am eigenen Leib erfahren, wie die berufliche Realität aussieht. Anhand dieser Erkenntnis in den verschiedenen Berufsfeldern sollen sie eigenständig die Berufswahl vorantreiben. Das Schülerpraktikum dient lt. Gesetz nicht der Stellenvermittlung, jedoch werden Schülerinnen und Schülern oft während dem Praktikum Angebote über Ausbildungsplätze gemacht.

Zeitpunkt und Dauer

Das Schülerpraktikum ist dem Gesetz nach für die gesamte Klasse zum gleichen Zeitpunkt durchzuführen und ist für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend. Der zeitliche Umfang beträgt, je nach Schulart, zwischen einer Woche (Gymnasium) und bis zu 5 Wochen (Fachoberschule).

Chancen für Schüler

Eine vom Deutschen Handwerksinstitut durchgeführte Studie ergab, anhand von mehreren nun folgenden Aspekte, dass das Schülerpraktikum eine große Chance und eine hohe Wichtigkeit für Schülerinnen und Schüler besitzt:

  • 61 % bewerben sich in Eigeninitiative.

  • 82 % sehen das Schülerpraktikum als Möglichkeit, leichter an einen Ausbildungsplatz zu kommen.

  • 75 % finden, dass das Praktikum die Wahl des Ausbildungsplatzes beeinflusst.

  • 68 % schätzen, dass das Praktikum den weiteren Lebensweg beeinflusst.

Nach diesen Daten sehen Schülerinnen und Schüler das Praktikum als eine wertvolle Möglichkeit an, erstmals in das Berufsleben einzusteigen und Erfahrungen zu sammeln. Diese werden wichtige berufliche Lebensentscheidungen, wie Studium und Ausbildung, bestimmen.

Chancen für Arbeitgeber

Als Arbeitgeber steht man erstmal vor einer großen Fülle an Fragen. Eine von diesen ist die Frage, welche Chancen es bietet, den Aufwand zu betreiben, einen Schüler für ein Praktikum bei sich im Unternehmen zu beschäftigen. Es müssen „praktikumsgeeignete“ Abteilungen und Tätigkeiten, sowie einen Ansprechpartner im Unternehmen gefunden werden. Mit dem Ausfall von bis zu einer halben Arbeitskraft muss durch die Betreuung des/r Praktikanten/in zudem gerechnet werden. Warum also sollte man all diesen Aufwand auf sich nehmen?

  • Kennenlernen von qualifiziertem Nachwuchs und Bindung an das Unternehmen

  • Kennenlernen neuer Perspektiven (z. B. durch Feedback)

  • Hinterfragen von eigenen Arbeitstechniken- und prozessen

  • Weiterempfehlung als attraktiver Arbeitgeber

  • „Dienst an der Gesellschaft“ durch Bereitstellung von Praktika

Als Hauptargument sehen Arbeitgeber die Akquise von qualifiziertem Nachwuchs, sowie die Image-Verbesserung des Unternehmens. Im Gegensatz zu Hochschulpraktikanten/innen, die oft wochenlange Einarbeitungszeit für ihre komplexen Tätigkeiten benötigen, ist hervorzuheben, dass Schülerpraktikanten/innen eine geringe Einarbeitungszeit benötigen, da diese für einfache Tätigkeiten nicht benötigt wird. Somit wird der Ansprechpartner im Zeitraum vom Praktikum wesentlich weniger beansprucht.

Bewerbung für ein Schülerpraktikum

Für viele Schülerinnen und Schüler ist das Praktikum der erste Kontakt mit der Berufswelt. Sie besitzen oftmals noch keine Erfahrungswerte zum Schreiben einer Bewerbung und werden hiermit erstmals konfrontiert. Es folgt eine kleine Übersicht der wichtigsten Bestandteile einer Bewerbung zum Schülerpraktikum.

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Die Bewerbungsunterlagen

Die Unterlagen einer Bewerbung um ein Schülerpraktikum ähneln dem einer gewöhnlichen sehr. Hauptbestandteile sind:

  • Bewerbungsanschreiben

  • tabellarischer Lebenslauf

  • Zeugnisse

Das Bewerbungsanschreiben

Das Bewerbungsanschreiben besteht aus einer DIN-A4-Seite, in der der Bewerber seine Motivation darstellt. Arbeitgeber wollen, dass ihre Fragen, warum der Schüler genau dieses Praktikum machen möchte und warum gerade im eigenen Unternehmen, beantwortet werden. Deshalb sollten zwei Punkte in der Bewerbung besonders herausgearbeitet werden:

  • Was reizt den Bewerber, dieses Praktikum zu absolvieren?

  • Was macht das beworbene Unternehmen aus?

Neben diesen Hauptaspekten sollten dennoch weitere formale und inhaltliche Kriterien beachtetet werden.

  • Absendedaten: (Name, Adresse, Tel.-Nr., E-Mail-Adresse)
  • Empfängerdaten: (Firma, Vor- und Nachname des Ansprechpartners, Adresse)
  • Betreff: (z. B. Bewerbung um einen Schülerpraktikumsplatz)
  • Anrede: (persönliche Anrede, keinesfalls eine Standardfloskel)
  • Einleitungssatz
  • Bezug zur Firma
  • Darstellung der eigenen Person (Fähigkeiten, Fertigkeiten und Stärken)
  • Abschlussworte
  • Handschriftliche Unterschrift (keinesfalls getippte Unterschrift, Scan möglich)
  • Anlagen

Der Lebenslauf

Im Lebenslauf wird der bisherige Werdegang dargestellt. Da man als Schüler/in keine praktischen Erfahrungen vorweisen kann, ist es nur möglich seine Praktika, Ferienjobs oder geringfügige Beschäftigungen auflisten. Dein Lebenslauf sollte ungefähr dieser Gliederung folgen:

  • Persönliche Informationen: (Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Anschrift)
  • Schulische Erfahrung: (besuchte Schulen)
  • Berufliche/praktische Erfahrung: (Praktika, Ferienjobs, geringfügige Beschäftigungen)
  • Qualifikationen: (Zertifikate, Teilnehmerurkunden)
  • Interessen: (ehrenamtliche Tätigkeiten, Hobbys)

Bei der Darstellung der genannten Punkte ist es wichtig darauf zu achten, dass diese chronologisch geordnet sind. Wie beim Anschreiben ist auch bei der Bewerbung um ein Schülerpraktikum unbedingt darauf zu achten, handschriftlich zu unterschreiben.

Die Zeugnisse

Ein Zeugnis ist ein Schreiben des Arbeitgebers, in dem er die Qualitäten des/r Mitarbeiters/in darstellt. Er bietet somit späteren Personalern bzw. Unternehmen die Möglichkeit sich ein erstes Bild über den Schüler/ die Schülerin zu machen. In dem Zeugnis werden fast immer spezielle Formulierungen verwendet, die für den/die Bewerber/in schwer zu verstehen sind, jedoch für zukünftige Arbeitgeber genau die Arbeitsweise und das Verhalten vermittelt. Da sich Schüler/innen oftmals das erste Mal bewerben, können sie bei der Bewerbung um ein Praktikum keine Zeugnisse vorweisen.

Nach der Bewerbung

Nach der Bewerbung fängt die Zeit des Bangen und Hoffens an. In dieser Zeit ist ungewiss, wie es um die Bewerbung steht, ob der/die Bewerber/in zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird oder nicht. Die Prüfung der Bewerbungsunterlagen dauert im Gegensatz zu Bewerbungen um ein Hochschulpraktikum oder einer Festanstellung, nur wenige Tage. Sollte der Arbeitgeber Interesse zeigen, kommt man in die engere Auswahl, falls diese vorhanden ist, und wird zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Danach ist man dem Ziel eines Schülerpraktikums sehr nahe. Um diese letzte Etappe des Bewerbungsgesprächs auch noch zu meistern, benötigt es einer guten Vorbereitung. Welche Schritte Du unternehmen solltest und welche Tipps zu beachten sind, liest Du hier. 12 Tipps für Vorstellungsgespräche

Fazit

Das Schülerpraktikum gilt als feste Komponente in der beruflichen Ausbildung und Orientierung. Die Chancen von einem Praktikum, die die Zukunft der Schülerinnen und Schüler beeinflussen, sind sehr wertvoll und sollten unbedingt genutzt werden. Aber auch für Arbeitgeber bietet das Schülerpraktikum Chancen, um passenden und qualifizierten Nachwuchs frühzeitig an das Unternehmen zu binden, in der Hoffnung, dass diese sich später noch einmal für z. B. eine Festanstellung bewerben.

Falls Dir dieser Artikel gefallen hat würden wir uns über einen „Like“ oder Kommentar freuen. Solltest du gerade auf der Suche nach einem Schülerpraktikum sein, findest Du hier auf jeden Fall welche.
Wir von JobNinja wünschen Dir viel Erfolg bei deinem Praktikum.

Literaturnachweis

Bayerische Staatskanzlei, Betriebspraktikum für Mittelschulen, Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/BayVwV277883/true?AspxAutoDetectCookieSupport=1, zuletzt geprüft am 20.06.2018, 13:55 Uhr.

Forschungsinstitut für Berufsbildung im Handwerk, Universität zu Köln, Auswirkungen von Schülerpraktika im Handwerk auf die Wahl des Ausbildungsberufes – Empfehlungen für die Gestaltung von Schülerpraktika, http://www.fbh.uni-koeln.de/sites/default/files/A10_Projektbericht_schuelerpraktika_END.pdf, zuletzt geprüft am 20.06.2018, 13:40 Uhr.

Bildquellennachweis

Hans Braxmeier & Simon Steinberger GbR, Urheber: „loufre“, application-1756281_1280, https://pixabay.com/de/bewerbung-anschreiben-lebenslauf-1756281/, zuletzt geprüft am 21.06.2018, 15:22 Uhr.

Unsplash Inc., Urheber: „Brooke Cagle“, g1Kr4Ozfoac, https://unsplash.com/photos/g1Kr4Ozfoac, zuletzt geprüft am 21.06.2018, 15:29 Uhr.