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Google for Jobs in Deutschland: Läutet Google eine neue Ära der Jobsuche ein?

Mit Google for Jobs will der Google-Konzern die Jobsuche vereinfachen, aber wie funktioniert das Ganze in Deutschland?
Google for Jobs in Deutschland: Läutet Google eine neue Ära der Jobsuche ein?

Einleitung

"Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung."
Heraklit

Wenn der mächtigste Technikkonzern bzw. die meistverwendete Suchmaschine der Welt ankündigt, die Jobsuche zu vereinfachen, dann lohnt es sich für Arbeitnehmer und Arbeitgeber einen Blick darauf zu werfen, was sich in diesem Bereich bald verändern könnte. Vor allem wir bei JobNinja sind gespannt darauf, was wir in Zukunft erwarten dürfen. Was wird sich verändern? Welches Potenzial verbirgt sich hinter dem neuen System von Google? Auf welche Risiken und Probleme müssen sich Personalvermittler und Dienstleister einstellen? Hier gibt es für Neugierige ein paar prägnante Informationen, um sich in der Materie einen groben Überblick zu verschaffen:

Warum überhaupt eine Jobplattform von Google?

Wie jeder Arbeitgeber weiß, ist es eine der schwierigsten Aufgaben für Unternehmen, qualifizierte und kompetente Angestellte zu finden. Auch wenn ein Teil der Jobs immer noch über persönliche Kontakte vergeben wird, starten inzwischen (laut Google) etwa 73 % aller Arbeitnehmer auf Jobsuche mit einer google Suchanfrage. Es ist verständlich, dass sich das Unternehmen dieses ungenutzte Potenzial nicht länger entgehen lassen möchte. Waren die Menschen 1848 im Goldrausch, so sind sie es heute wieder. Nur das Gold des 21. Jahrhundert sind Daten, Daten, Daten. Immerhin ist das Googles Kerngeschäft. Die persönlichen Nutzerdaten sollen bereits in die Jobsuche mit einfließen und jedem Arbeitssuchenden eine optimale Auswahl von möglichen Arbeitsplätzen präsentieren. Die Ergebnisse werden dem Jobsuchenden quasi auf den Leib geschneidert. Durch diese Passgenauigkeit profitieren natürlich Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. Das Ganze sorgt für Zeitersparnis.

Wie funktioniert die google for jobs Schnittstelle (API)?

Um optimale Ergebnisse für den Suchenden zu erzielen wird maschinelles Lernen verwendet. Laut Google:
„[Die API] verwendet maschinelles Lernen um zu verstehen, wie die sich Jobbeschreibung und die für den Job erforderlichen Fähigkeiten aufeinander beziehen und erkennt welche Inhalte, welcher Standort, sowie welches Dienstalter den Präferenzen des Arbeitssuchenden am ehesten entsprechen.“[1] (Übersetzung)

Das Ziel von googles neuer Sparte ist es also, den Prozess der Jobvermittlung noch effizienter zu gestalten und die Suche zu vereinheitlichen. Was bedeutet das konkret? Während man sich als Arbeitnehmer bei einer Jobsuche normalerweise durch verschiedene Jobbörsen klickt, will Google die Ergebnisse direkt auf seiner „one box“ in der organischen Suche anzeigen lassen. Das ist ein Kasten, ähnlich wie er sonst in der Suche nach Flügen oder Produkte schon integriert ist. Zudem lassen sich für eine noch präzisere Suche Filter wie z.B. Gehalt, Entfernung, etc. verwenden.

Chancen und Risiken für Personalvermittler und Jobbörsen

Natürlich bedeutet eine in google implementierte Jobbörse eine massive Umstellung für den Recruiting Bereich. Google ist nicht nur die am meisten genutzte Suchmaschine der Welt. Viele Nutzer verwalten über Google ihre E-Mail-Postfächer, ihre Kalender, ihre Bilder, Filme, Musik und sonstige Dateien. Was bedeutet das jetzt konkret für traditionelle Jobbörsen wie JobNinja?
Zum einen ist die neue Funktion von Google erst einmal ein Sammelsurium von Anzeigen, Stellenausschreibungen etc. und unterstützt sogar genau genommen durch den „Jobs in der Nähe“-Filter lokale Jobbörsen und Zeitungen. Durch die Zusammenführung und Vereinheitlichung werden Duplikate verhindert und die Nutzer schneller auf die Jobbörsen und Zeitungen geleitet, so dass (in der Theorie) Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Vermittler profitieren sollen.

Doch wenn Google die Rolle der Jobbörsen übernimmt, werden dann die restlichen Jobbörsen nicht überflüssig? Nein, sagen wir, denn die Reichweite von traditionellen Stellenbörsen wie stepstone, monster und JobNinja ist nach wie vor ziemlich groß. Damit ist Google for Jobs erstmal auf die diese Daten angewiesen. Außerdem reicht eine umfangreiche Stellenbeschreibung auf der Homepage des Arbeitgebers, die google dann bei einer Suche anzeigt, oft nicht aus. Die Interim group meint hierzu:
„Zu viel Information bzw. zu viel unnütze Information kann Bewerber abschrecken, frustrieren oder gar dazu führen, dass sie sich das nicht einmal vollständig durchlesen. Gerade Developer bevorzugen aufgrund der Fülle der an sie gerichteten Angebote eine kurze und knackige Beschreibung der Anforderungen und der Technologien. Seitenlanges Geschwafel ist nicht gefragt.“[2]

-> Hier sind also wieder die Jobbörsen gefragt, dem Nutzer optimal gestaltete und übersichtliche Stellenausschreibungen zu präsentieren

Ausblick

Da das System in den USA bereits seit einiger Zeit implementiert ist, wird es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit sein, bis Google for Jobs auch im europäischen Raum Einzug hält. Wir von JobNinja schätzen Mitte 2019. In Deutschland scheitert der Konzern im Augenblick an den deutlich strengeren Datenschutzrichtlinien. Dennoch: Trotz aller Chancen, die google for jobs ermöglicht, werden sich viele Jobbörsen womöglich demnächst ihren Werbeplatz bzw. ihre Position bei Google einkaufen müssen.
Ob das Ganze Fluch oder Segen ist, lässt sich schwer zu sagen. Bestimmt wird es die Jobsuche für Arbeitnehmer deutlich erleichtern. Inwiefern sich Personalvermittler und Arbeitgeber damit arrangieren können, wird eine neue Herausforderung sein, mit der sich viele von uns nun auseinandersetzen müssen.
Wir von JobNinja starten hier mit einer Artikelserie, um unsere Partner weiterhin auf dem Laufenden zu halten und sie mit dem Know-how ausstatten, um für die Einführung von Google for Jobs in Deutschland gut gerüstet zu sein.

Hier können Sie Ihre Stellenanzeigen prüfen ob diese bereits mit Google for Jobs kompatibel sind:

http://www.jobninja.com/google-for-jobs

Weitere Artikel zu Google for Jobs finden Sie hier:

  1. Ein Leitfaden für die erste Stellenausschreibung (Teil 1 - Bedingungen)
  2. Ein Leitfaden für die erste Stellenausschreibung (Teil 2 - Technische Umsetzung)

Quellen:

[1] https://www.thatlittleagency.co.uk/everything-wanted-know-google-jobs-didnt-know-ask/

[2] https://interim-group.de/wie-google-for-jobs-etablierte-stellenboersen-in-den-schatten-stellen-will/

Weiterführende Informationen:

How to use Google for Jobs (Business Insider)

Google for Jobs (The Balance Careers)

Tutorial Google for Jobs (Workable)

Using Google to find Job Postings (Job Hunt)

Google's Job Posting Documentation

Google Cloud Blog on Job API Machine Learning

Google Cloud Jobs API – die frohe Botschaft für HR